Lievito Madre: Den italienischen Sauerteig herstellen inklusive Pizzateig Rezept
Wenn du schon mal in Italien warst und dort Brot aus einem Panificio gegessen hast, kennst du diesen unverwechselbaren Geschmack wahrscheinlich schon. Die Rede ist von Lievito Madre, dem milden italienischen Sauerteig mit einer jahrhundertealten Tradition, der Teigen eine besonders aromatische Note verleiht. Früher ging es dabei gar nicht in erster Linie um den Geschmack, sondern ums Haltbarmachen, ein mit Lievito Madre gebackenes Brot blieb tagelang genießbar, teilweise war es sogar nach einer Woche innen noch weich. Das haben wir übrigens auch getestet und es ist zum Staunen. Heute ist Lievito Madre immer noch ein gut gehütetes Geheimnis vieler italienischer Bäckereien und Pizzerien und mit etwas Geduld lässt er sich auch bei dir zu Hause ansetzen. Wir zeigen dir, was Lievito Madre ist, wie er sich von anderen Vorteigen unterscheidet, wie du ihn herstellst, pflegst und in einen aromatischen Pizzateig verwandelst. Bereit, das Geheimnis des italienischen Sauerteigs zu entdecken? Los geht's.
Was ist Lievito Madre?
Der Name verrät schon viel. Lievito bedeutet auf Italienisch Hefe oder Triebmittel, Madre heißt Mutter. Lievito Madre ist also wörtlich die Mutterhefe, ein milder Weizensauerteig aus nichts weiter als Mehl und Wasser, der über Tage bis Wochen reift und dabei natürliche Hefen sowie Milchsäurebakterien entwickelt. In vielen italienischen Haushalten ist er seit Generationen fester Bestandteil der Küche und wird von den Großeltern an die Kinder und Enkel weitergegeben, fast wie ein Familienerbstück, nur eben essbar. Jede Familie hat ihr eigenes Exemplar mit ganz eigenem Aroma und tauscht es gerne mit Nachbarn und Freunden. Genau wie klassischer Sauerteig erlebt auch Lievito Madre gerade eine kleine Renaissance, Hobbybäcker und Pizzafans entdecken die alte Methode neu, weil sie Geduld mit richtig viel Geschmack belohnt.
Mild, komplex, vielseitig
So siehst Lievito Madre im Glas aus: luftig und locker mit einem angenehm mild-säuerlichen Duft. Genau dieses Aroma macht ihn so vielseitig, er passt zu Pizza genauso wie zu Focaccia, Brot oder Panettone und ersetzt dabei die klassische Hefe fast vollständig.
Lievito Madre vs. Sauerteig: Wo liegt der Unterschied?
Auch wenn beide zur Familie der Sauerteige gehören, unterscheiden sie sich deutlich. Klassischer Sauerteig, wie du ihn vom Roggenbrot kennst, wird meist im Verhältnis 1:1 aus Mehl und Wasser geführt und hat einen kräftigen, oft ausgeprägt sauren Geschmack. Lievito Madre dagegen ist deutlich fester, die Hydration liegt bei nur etwa 45 bis 50 Prozent, der Geschmack wird dadurch spürbar milder und feiner, und die Triebkraft ist stärker. Dafür braucht er etwas mehr Zuwendung, klassischer Sauerteig verzeiht eine vergessene Fütterung eher als sein italienischer Verwandter, der täglich versorgt werden will.
Biga, Poolish, Lievito Madre oder Direktteig: Der Vorteig-Vergleich

Wir haben einige Tests für euch durchgeführt und neben Lievito Madre gibt es noch weitere beliebte Vorteige für Pizza, jeder mit eigenem Charakter. Wir haben die wichtigsten Unterschiede für dich zusammengefasst:
Video zum Vergleich
Biga, Poolish, Lievito Madre & Direktteig im direkten Vergleich ansehenSCHRITT FÜR SCHRITT
Lievito Madre selbst herstellen
Plane für deinen ersten Lievito Madre etwa 7 bis 10 Tage ein. Viel Arbeit ist es nicht, aber jeden Tag ein kurzer Blick und eine Fütterung gehören dazu, fast wie bei einem neuen Haustier, nur ohne Gassi gehen.
⏱️ Zubereitungszeit
15 Min. aktiv + 7-10 Tage Reifezeit
🍽️ Ausbeute
ca. 150 g fertiger Lievito Madre
👨🍳 Schwierigkeit
Fortgeschritten
Du brauchst
Zutaten
- 100 g Mehl (Type 00)
- 50 g lauwarmes Wasser
- 1 TL Honig (optional)
Zubereitung
AnsetzenMehl mit dem lauwarmen Wasser und optional dem Honig zu einem festen, nicht klebenden Teig verkneten. Ein Kreuz einschneiden, in ein Glas geben, locker abdecken und warm stellen, idealerweise bei 26 bis 28 Grad.
Erste RuhephaseDen Ansatz 2 Tage ungestört ruhen lassen, ohne zu füttern. In dieser Zeit bilden sich die ersten Hefen und Milchsäurebakterien.
Täglich fütternAb Tag 3 täglich die Hälfte des Teigs abnehmen und im Verhältnis 1:1:0,5 (Lievito Madre zu Mehl zu Wasser) auffrischen. Kneten, Kreuz einschneiden und wieder warm stellen.
Reifezeichen abwartenNach etwa 7 bis 10 Tagen sollte sich dein Lievito Madre nach dem Füttern innerhalb von 3 bis 4 Stunden verdoppeln und mild, leicht fruchtig säuerlich riechen. Dann ist er einsatzbereit und kann ab sofort im Kühlschrank gelagert werden.
WALDIS TIPPBildet sich Schimmel oder riecht dein Ansatz unangenehm, wirf ihn weg und starte neu. Den kann man dann leider nicht mehr retten, aber keine Sorge, das passiert auch erfahrenen Bäckern mal.
So fütterst und pflegst du deinen Lievito Madre
Im Kühlschrank hält sich dein Lievito Madre problemlos eine Woche, ohne dass du ihn füttern musst. Vor dem Backen frischst du ihn am besten ein- bis zweimal im Abstand von 8 bis 12 Stunden auf, jeweils im Verhältnis 1:1:0,5 mit Mehl und Wasser, bis er sich zuverlässig verdoppelt und blasig ist, das ist das sicherste Zeichen für Aktivität. Riecht er sehr streng nach Essig, füttere ihn einfach etwas häufiger, das bringt die Balance zwischen Hefen und Milchsäurebakterien wieder ins Gleichgewicht. Verreist du länger, kannst du ihn auch ein bis zwei Wochen im Kühlschrank vergessen, ganz ohne schlechtes Gewissen.
Bonus: Pizzateig mit Lievito Madre
Sobald dein Lievito Madre zuverlässig aktiv ist, kannst du damit auch gleich einen aromatischen Pizzateig backen. Hier das Grundrezept in Kurzform, für 3-4 Pizzen:
- 500 g Pizzamehl (Typ 00)
- 100 g aufgefrischter Lievito Madre
- 320 g kaltes Wasser
- 12-15 g Salz
- 1 EL Olivenöl
- Lievito Madre 8 bis 12 Stunden vorher im Verhältnis 1:1:1 auffrischen, bis er aktiv und blasig ist.
- Mehl und Wasser vermischen, 30 Minuten ruhen lassen, dann Lievito Madre, Salz und Öl einarbeiten und 8 bis 10 Minuten kneten.
- 3 bis 4 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen, optional danach zusätzlich 24 bis 48 Stunden im Kühlschrank reifen lassen für mehr Aroma.
- 3-4 Teiglinge formen, 2 Stunden akklimatisieren lassen, dann bei mindestens 250 Grad, am besten mit Pizzastein, 8 bis 10 Minuten backen.
Hilfsmittel
MEHR ALS NUR PIZZA
Tipps für die Anwendung
Nicht nur für PizzaLievito Madre eignet sich genauso für Brot, Focaccia oder Ciabatta, und dank seiner Milde sogar für süßes Gebäck wie Panettone oder Brioche, wo klassischer Sauerteig zu sauer wäre.
Bleibt länger frischBackwaren mit Lievito Madre halten sich spürbar länger saftig als mit normaler Hefe, genau der Effekt, der ihn früher so wertvoll gemacht hat.
Wenn er nicht richtig triebtMeistens liegt es an zu niedriger Temperatur, unter 24 Grad arbeiten die wilden Hefen nur sehr langsam. Einfach an einen wärmeren Ort stellen, nochmal füttern und mindestens 48 Stunden Geduld haben.
Beim Lievito Madre und beim Biga hat mir der Geschmack am kräftigsten geschmeckt, richtig tief und intensiv. Der Rand ist beim Lievito Madre zwar nicht ganz so hoch aufgegangen wie beim Biga oder Poolish, aber trotzdem alles andere als teigig, eher leicht fluffig mit einer feinen Süße und einem Aroma, das mich sofort an meinen letzten Italienurlaub erinnert hat.
Fazit
Ein eigener Lievito Madre ist kein Projekt für zwischendurch, aber genau das macht ihn so besonders. Mit ein paar Minuten Aufwand am Tag entsteht über eine gute Woche ein lebendiger Sauerteig, der dir danach jahrelang treue Dienste leistet, in der Pizza, im Brot oder in der Focaccia. Einmal angesetzt und richtig gepflegt, hast du ein Stück italienische Backtradition bei dir zu Hause, mit einem Geschmack, den du so aus keiner Tüte bekommst. Trau dich einfach ran, das Ergebnis ist die Geduld wert.
Viel Spaß beim Ansetzen und Backen!
Euer Waldi
Häufige Fragen zu Lievito Madre
Lievito Madre ist ein milder italienischer Sauerteig aus Mehl und Wasser, der über Tage bis Wochen reift. Der Name bedeutet wörtlich "Mutterhefe" und er hat eine jahrhundertealte Tradition in italienischen Haushalten, wo er von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Klassischer Sauerteig wird meist im Verhältnis 1:1 aus Mehl und Wasser geführt und schmeckt kräftig säuerlich. Lievito Madre ist deutlich fester (Hydration ca. 45-50%), milder im Geschmack und hat eine stärkere Triebkraft.
Du setzt ihn aus Mehl, Wasser und optional etwas Honig an, lässt ihn 2 Tage ungestört ruhen und fütterst ihn danach täglich im Verhältnis 1:1:0,5. Nach etwa 7 bis 10 Tagen ist er einsatzbereit, wenn er sich innerhalb von 3 bis 4 Stunden verdoppelt.
Im Kühlschrank hält er sich problemlos eine Woche ohne Fütterung. Vor dem Backen frischst du ihn am besten ein- bis zweimal im Abstand von 8 bis 12 Stunden auf, bis er sich zuverlässig verdoppelt.
Gut gepflegt hält er sich theoretisch unbegrenzt. Wenn du eine starke Lievito Madre Basis gebildet hast, kannst du sie auch im Kühlschrank ein bis zwei Wochen ohne Fütterung stehen lassen.
Ja, er eignet sich perfekt für Pizzateig und sorgt für einen besonders aromatischen, bekömmlichen Teig. Genauso gut funktioniert er aber auch für Brot, Focaccia oder sogar süßes Gebäck wie Panettone.
Riecht er sehr streng nach Essig, füttere ihn einfach etwas häufiger. Das bringt die Balance zwischen Hefen und Milchsäurebakterien wieder ins Gleichgewicht.
Aktive Lievito Madre verdoppelt sich nach dem Füttern zuverlässig innerhalb weniger Stunden und ist an der Oberfläche blasig. Das ist das sicherste Zeichen für Aktivität.